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7. Jahrestagung von JUNKTIM

Alles gesehen - alles gehört. Auch begriffen? Erinnern, Vergegenwärtigen und Analysieren der Stunde nach ihrem Ende

Tagung findet statt vom 12. – 14.03.2027

Es werden 12 Fortbildungspunkte bei der Psychotherapeutenkammer beantragt.

Ausblick auf die siebte Jahrestagung von JUNKTIM e.V. (12. – 14. März 2027)

Call for Papers: Workshops und Datensitzungen, formlose Interessensbekundung bis zum 29. November 2026 an info@junktim.online.
Call als PDF
Das Programm veröffentlichen wir im Januar 2027.

 

Man war dabei. Man hat alles gesehen und alles gehört, fünfzig Minuten lang, mit ungeteilter Aufmerksamkeit. Und doch stellt sich hinterher die Frage, was in diesen fünfzig Minuten eigentlich geschehen ist. Wer zum ersten Mal dreißig Sekunden eines therapeutischen Gesprächs in feiner Notation transkribiert, erlebt diese Frage als Erschütterung: Unter dem verlangsamenden Blick öffnet sich in jeder Sekunde eine Fülle von Ereignissen, für die die Wahrnehmung im Moment des Geschehens zu langsam war. Ein Zögern von zwei Zehntelsekunden, ein Einatmen vor dem Widerspruch, ein Lachansatz, der keiner wird. Dabeigewesen zu sein heißt nicht, es begriffen zu haben.
Dazu kommt die zweite Schwierigkeit, die banaler klingt und schwerer wiegt. Die therapeutische Stunde ist ein flüchtiges Ereignis: Sie vergeht, während sie geschieht. Was bleibt von ihr, wenn sie zu Ende ist?
— Erinnern —
Die klassische Antwort der Psychoanalyse lautet: das Gedächtnis. Freud hat dem Analytiker ausdrücklich davon abgeraten, während der Stunde mitzuschreiben; jede Notiz trifft eine Auswahl, und jede Auswahl beschädigt die gleichschwebende Aufmerksamkeit (Freud 1912). Die Krankengeschichte wird nachträglich geschrieben, aus der Erinnerung; das Erinnern selbst war das Forschungsmedium der Psychoanalyse, lange bevor es Tonbänder gab. Dieses Gedächtnis hat eine eigene Intelligenz: Es wählt nach Relevanz, es verdichtet, es lässt sich vom Unbewussten der Stunde imprägnieren. Und es hat die Schwächen jeder Intelligenz dieser Art: Es glättet, es vergisst, es erzählt.
Das Transkript ersetzt dieses Erinnern nicht. Es ist ein zweites, technisches Gedächtnis, das anders erinnert als das klinische: ohne Relevanzauswahl, mit Pausen in Zehntelsekunden, dafür ohne die gespürte Situation. Die Aufnahme konserviert, was keinem Gedächtnis zur Verfügung steht, und sie erlaubt, worauf die Konversationsanalyse ihre epistemische Berechtigung gründet: die wiederholte Inspektion desselben Materials, an dem andere die eigene Analyse prüfen und bestreiten können (Sacks 1984). Wo das klinische und das dokumentarische Gedächtnis derselben Stunde aufeinandertreffen, wird ihre Differenz selbst aufschlussreich: Was hat die Erinnerung behalten, was das Band? Und was hat jede der beiden auf ihre Weise vergessen?
— Analysieren —
Transkripte sind keine Abbilder. Jede Notationsentscheidung ist eine analytische Entscheidung; Transkription ist Theorie (Ochs 1979). Ein Transkript wählt aus dem Kontinuum des Geschehens diejenigen Unterschiede aus, die einen Unterschied machen sollen (Bateson), und Systeme wie GAT 2 machen diese Auswahl skalierbar, vom Minimaltranskript bis zur prosodischen Feinauflösung (Selting et al. 2009). Genau darin liegt die Leistung, und die Zumutung. Das Transkript verlangsamt und vergegenständlicht, was im Vollzug zu schnell für jede Wahrnehmung ist; es macht das therapeutische Gespräch zu einem Gegenstand, an dem sich zeigen lässt, statt behaupten zu müssen. Aber es leistet dies um den Preis einer systematischen Auslassung.
Denn vieles steht nicht im Transkript: der Blick, der eine Frage begleitet; die Anspannung eines Körpers auf der Couch; die Qualität eines Schweigens, das im Transkript nur eine Zahl in Klammern ist; die Atmosphäre eines Raumes; das Gegenübertragungsgefühl, das den Behandler mitten im Satz erreicht. Was nicht im Transkript steht, ist damit nicht verloren. Es liegt nur nicht einfach vor.
— Die Hierarchie der Sinne —
Dass Transkripte auslassen, ist unvermeidlich. Was sie auslassen, folgt jedoch einer Ordnung, die selten befragt wird: Transkripte privilegieren das Hörbare, und im Hörbaren das Sprachliche. Diese Hierarchie der Sinneswahrnehmung ist nicht unschuldig, sie spiegelt die Therapie des sprechenden Erwachsenen. Wo weniger gesprochen und mehr getan wird, gerät das sprachzentrierte Transkript an seine Grenze: in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, im Spiel, in der Bewegung, in der Handlung, die keiner Rede bedarf. Multimodale Notationssysteme arbeiten genau an dieser Grenze und beschreiben körperliches Handeln als in mehreren parallelen Zeitlichkeiten organisiert (Mondada 2018). Die Tagung fragt, ob unsere Transkripte die Wahrnehmungshierarchie ihres Gegenstandes abbilden oder stillschweigend eine erwachsenen- und sprachzentrierte Hierarchie voraussetzen. Wie sähe ein Transkript aus, das die Handlung an die erste Stelle setzt und das Sprechen an die zweite? Was notiert man von einer Sandspielstunde?
— Vergegenwärtigen —
Was nicht im Transkript steht, muss beigebracht werden, und was darin steht, verlangt eine Aufmerksamkeit, die ihm gewachsen ist. Beides geschieht nicht allein am Schreibtisch, sondern gemeinsam. In der Datensitzung treffen Aufnahme, Transkript und die klinische Erfahrung der Anwesenden aufeinander, und was ein Transkript zeigt, bringt sich in dieser gemeinsamen Arbeit hervor: situativ, im Wechsel von Hören, Lesen, Einwenden und Wiederhören, nicht programmierbar. Erinnern, Vergegenwärtigen und Analysieren sagen nicht, wer das tut; das entscheidet sich jedes Mal neu. Die Datensitzung ist deshalb nicht nur ein Format der Tagung, sondern ihr methodisches Argument: Auch die Forschung über therapeutische Interaktion bringt sich situativ hervor.
— Auch begriffen? —
Der Name unseres Vereins erinnert an Freuds Formel vom Junktim zwischen Heilen und Forschen (Freud 1927): an die Behauptung, dass beides in der psychoanalytischen Arbeit untrennbar verbunden sei. Das Transkript ist der Ort, an dem sich diese Verbindung materialisiert, nachträglich, wie alles Verstehen in der Psychoanalyse. Die Stunde, die behandelt hat, wird zum Dokument, das Forschung erlaubt; und die Forschung kehrt in die klinische Wahrnehmung zurück, als geschärftes Hören und Sehen für das, was in der nächsten Stunde geschieht. Ob am Ende auch begriffen wurde, steht in keinem Transkript. Es zeigt sich daran, was wir beim nächsten Mal bemerken.
Praktische Relevanz
Ein besonderes Merkmal der Jahrestagungen von JUNKTIM ist die detaillierte Untersuchung therapeutischer Konversationen. In kleineren Arbeitsgruppen („Datensitzungen“) werden Audio- und Videomaterialien analysiert, um emotionale Dynamiken in ihrer komplexen Interaktionalität hör- und sichtbar zu machen. Diese methodische Herangehensweise ermöglicht sowohl Forscher:innen als auch Praktiker:innen neue Einsichten in die Organisation und Neuorganisation emotionaler Prozesse durch Interaktion.
Ein Forum für Austausch und Vernetzung
Seit der Gründung von JUNKTIM im Jahr 2020 haben sich die Jahrestagungen als zentrales Forum für den Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis etabliert. Von besonderem Wert sind dabei die Beiträge des wissenschaftlichen und klinischen Nachwuchses, die neue Perspektiven eröffnen. Die wechselseitige Reflexion von Behandlungserfahrungen und gesprächsanalytischen Befunden – im Sinne von Freuds Idee des „Heilens und Forschens“ – wird hier lebendig fortgeführt.
Teilnehmen und mitwirken
Ob in den Hauptvorträgen, den Arbeitsgruppen oder den Diskussionen am Rande der Veranstaltung – die Tagung bietet vielfältige Möglichkeiten zur aktiven Teilnahme. Die Resonanz der Teilnehmenden zeigt, dass das Thema und der interaktive Ansatz wertvolle Impulse für Forschung, Praxis und Ausbildung liefern.

Sprecher:innen

Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz

Erziehungswissenschaftler und Präsident der IPU Berlin

Philosophische Perspektive

Prof. Dr. Jan Slaby

Professor für Philosophie des Geistes und Philosophie der Emotionen an der FU Berlin

Konversations-analytische Perspektive

Prof. Dr. Heinz Messmer

Emeritierter Professor für Soziologie an der Fachhochschule Nordwestschweiz in der Schweiz

Klinische Perspektive

Prof. Dr. Michael B. Buchholz

Seniorprofessor an der Internationalen Psychoanalytischen Universität (IPU) Berlin

Linguistische Perspektive

Prof. Dr. Stefan Pfänder

Professor für Linguistik an der Universität Freiburg

Ausführliches Programm

Das ausführliche Programm folgt zum Januar 2027.

Freitag, 12.03.27

Die Veranstaltung findet vor Ort an der IPU Berlin statt. Eine Anmeldung ist vor Beginn der Tagung möglich. Bitte buchen Sie Ihr Ticket im Voraus.

Dieses Jahr konnten wir Prof. Birgit Stürmer, der Präsidentin der International Psychoanalytic University (IPU) Berlin, für die Begrüßung gewinnen.

 

Titel: Live und in Farbe. Dynamiken der Ko-Präsenz am Beginn des KI-Zeitalters

Jan Slaby analysiert die veränderten Bedingungen von Ko-Präsenz im Kontext digitaler Technologien. Diese erzeugen neue Formen von Verfügbarkeit und Interaktion, die Anschluss ermöglichen, zugleich aber affektive und soziale Komplexität reduzieren.
Zentral ist die Differenz zwischen:
• technisch vermittelter Verfügbarkeit
• leiblich-affektiver Ko-Präsenz
Ko-Präsenz erscheint damit als irreduzibler Erfahrungsmodus:
Sie ist nicht vollständig simulierbar, weil sie auf situativer, verkörperter Resonanz beruht. Gerade therapeutische Interaktion bleibt auf diese Form der dichten Gegenwärtigkeit angewiesen.

Im Anschluss an den Vortrag von Prof. Buchholz besteht Gelegenheit, bei Getränken und Snacks miteinander ins Gespräch zu kommen. Bei geeignetem Wetter stehen die Außenbereiche direkt zur Verfügung.

Eine Geschichte ist eine Reise

Erzählkünstler André Wülfing stellt unterhaltsam Beispiele kleiner Geschichten vor, deren Figuren aus der psychotherapeutischen Praxis stammen könnten, also: dem Leben.

Offener Rahmen für Gespräche, Vernetzung und vertiefenden fachlichen Austausch in entspannter Atmosphäre.

Samstag, 13.03.27

Die Veranstaltung findet vor Ort an der IPU Berlin statt. Eine Anmeldung ist vor Beginn der Tagung möglich. Bitte buchen Sie Ihr Ticket im Voraus.

Der JUNKTIM-Vorstand wird den zweiten Tag eröffnen.

 

Titel: Theorie und Praxis angewandter Konversationsanalyse – erläutert am Beispiel von Hilfeplangesprächen

Heinz Messmer zeigt aus konversationsanalytischer Perspektive, dass soziale Wirklichkeit nicht vorausgesetzt werden kann, sondern im Gespräch sequenziell hervorgebracht wird. Kommunikation ist das zentrale Medium dieser Wirklichkeitsproduktion.
Zentrale Punkte:
• Interaktion ist turn-by-turn organisiert
• jeder Beitrag ist zugleich Reaktion und Projektion
• Anschlussfähigkeit ist die Bedingung sozialer Ordnung
Institutionelle Rollen entstehen nicht durch Zuschreibung, sondern werden im Gespräch interaktiv hergestellt.
Zentrale These:
Klientel ist keine gegebene Realität. Sie wird im professionellen Handeln aktiv produziert – und zwar so, dass sie für institutionelle Bearbeitung anschlussfähig wird.
Dies geschieht u. a. über Berichte, Zuschreibungen und Relevantsetzungen, durch die Personen zu „Fällen“ gemacht werden. Fallkonstitution folgt dabei der Logik der Passung: Fälle werden so definiert, dass sie zu vorhandenen Routinen und Interventionen passen.
Besonders sichtbar wird dies in:
• Gesprächseröffnungen
• Berichtssequenzen
• Wechseln zwischen Reden über und mit der Klientel
Konsequenz für Praxis:
→ Fälle entstehen im Vollzug der Interaktion
→ Anschluss und Ordnung müssen fortlaufend hergestellt werden
→ Professionelles Handeln ist immer auch eine Definitionsleistung

Download Präsentation (kostenlos)

Am Tagungsort wird es einen Raum geben, in dem es zu jeder Zeit Getränke (warm und kalt) gibt, sowie ebenfalls im Tagungsbeitrag inkludiert: ein Mittagessen. Guten Appetit!

Es gibt mehrere Datensitzungen, die dazu einladen, unterschiedliche Therapien mit jeweils eigenem Fokus zu untersuchen. Die Gruppengröße wird 15 nicht überschreiten und gibt so die Möglichkeit, an einem Fokus intensiv zu arbeiten. Anmeldung vor Ort.

Die Datensitzungen finden in zwei identischen Durchgängen statt. Teilnehmende können zwei unterschiedliche Sitzungen wählen und so Einblick in zwei verschiedene Schwerpunkte gewinnen.

  1. Dr. Jasmin Spiegel (Psychoanalytikerin, Diplompsychologin und Postdoktorandin, Berlin)
    Titel: Psychotherapie als Tanz?

    Beschreibung: Anhand von Videos psychotherapeutischer Interaktion sollen verfahrens- und erkenntnisgenerierende Verschränkungen von Psychotherapie, Bewegungsanalyse und Tanzwissenschaft gemeinsam in einer Gruppendiskussion exploriert werden. Der Fokus wird auf Interaktionsphänomenen liegen, die impliziter Natur sind und von Signifikanz für Veränderungsprozesse im psychotherapeutischen Setting, besonders auf „Moments of Meeting“ (Daniel Stern, 2004). 

  2. Michael Franzen (Psychologe und Gesprächsforscher, Berlin)

    Titel: Gespräch in Bewegung – Wie Motive aufgegriffen und gemeinsam weiterentwickelt werden

    Beschreibung: In der Datensitzung wird untersucht, wie Therapeut:innen Beiträge von Patient:innen aufnehmen, verändern und so weiterführen, dass bestimmte Formen von Beteiligung möglich werden. Anhand konkreter Transkriptausschnitte wird sichtbar, wie professionelle Improvisation im Detail funktioniert. 

  3. Christopher Mahlstedt (Psychologe und Musiker, Berlin)

    Titel: Improvisation – eine Annäherung über partizipative Übersetzungsversuche des Gespielten als das Nicht-Sagbare.

    Beschreibung: Ausgehend von einer kurzen Einführung in das Thema Improvisation werden die Teilnehmenden kurze Videoausschnitte von improvisierenden Jazzmusiker*innen analysieren. Hierbei wird in einem ersten Schritt die Wahrnehmung sowohl auf die Sequenzgestaltung als auch auf den Eindruck von der Szene und das Gegenübertragungserleben gelenkt. Auf Grundlage der gesammelten Informationen werden die Teilnehmenden dann in einem zweiten Schritt die musikalischen Dialoge frei assoziierend und ko-konstruierend in verbale Sequenzen übersetzen. Das sich entwickelnde Verstehen über improvisatorische und partizipatorische Prozesse wird somit durch den kreativen Umgang mit dem Unbewussten erweitert. Die erstellten Transkripte können nunmehr konversationsanalytisch untersucht und der gemeinsam „improvisierte“ Übersetzungsprozess abschließend miteinander reflektiert werden.

  4. Impro-Workshop 1 von André Wülfing (Theaterpädagoge und Erzählkünstler, Dortmund)
    Titel: Das „JA zur Idee“

    Beschreibung: Für das Theater wie für das Erfinden und Erzählen von Geschichten ist Improvisation ein essentieller Baustein. In kurzen, einführenden Übungen arbeiten wir in diesem Workshop an der Reaktion in der Kommunikation, am „Ja zur Idee“, dem Wechsel von Perspektiven bis hin zu kleinen Wundern erzählter Geschichten. So wollen wir für das therapeutische Gespräch Spontanität, Fantasie, Leichtigkeit und Spielfreude wecken. 

  5. Impro-Workshop 2 von Comedy Company um Lars Wätzold (Diplom-Pädagoge, Göttingen)
    Titel: Das Rollen-Training

    Beschreibung: Haltung und Rolle sind Erfolgsfaktoren zwischenmenschlicher Kommunikation – sei es im Alltag, im Arbeitsumfeld oder im therapeutischen Rahmen. In diesem Workshop werden wir uns spielerisch die unbewussten Mechanismen, die uns Haltung und Rollen einnehmen lassen, ins Bewusstsein heben, um mehr kommunikative Handlungsoptionen zu haben.

Am Tagungsort wird es einen Raum geben, in dem es zu jeder Zeit Getränke (warm und kalt) gibt, sowie ebenfalls im Tagungsbeitrag inkludiert: ein Mittagessen. Guten Appetit!

Es gibt mehrere Datensitzungen, die dazu einladen, unterschiedliche Therapien mit jeweils eigenem Fokus zu untersuchen. Die Gruppengröße wird 15 nicht überschreiten und gibt so die Möglichkeit, an einem Fokus intensiv zu arbeiten. Anmeldung vor Ort.

Die Datensitzungen finden in zwei identischen Durchgängen statt. Teilnehmende können zwei unterschiedliche Sitzungen wählen und so Einblick in zwei verschiedene Schwerpunkte gewinnen.

  1. Dr. Jasmin Spiegel (Psychoanalytikerin, Diplompsychologin und Postdoktorandin, Berlin)
    Titel: Psychotherapie als Tanz?

    Beschreibung: Anhand von Videos psychotherapeutischer Interaktion sollen verfahrens- und erkenntnisgenerierende Verschränkungen von Psychotherapie, Bewegungsanalyse und Tanzwissenschaft gemeinsam in einer Gruppendiskussion exploriert werden. Der Fokus wird auf Interaktionsphänomenen liegen, die impliziter Natur sind und von Signifikanz für Veränderungsprozesse im psychotherapeutischen Setting, besonders auf „Moments of Meeting“ (Daniel Stern, 2004). 

  2. Michael Franzen (Psychologe und Gesprächsforscher, Berlin)

    Titel: Gespräch in Bewegung – Wie Motive aufgegriffen und gemeinsam weiterentwickelt werden

    Beschreibung: In der Datensitzung wird untersucht, wie Therapeut:innen Beiträge von Patient:innen aufnehmen, verändern und so weiterführen, dass bestimmte Formen von Beteiligung möglich werden. Anhand konkreter Transkriptausschnitte wird sichtbar, wie professionelle Improvisation im Detail funktioniert. 

  3. Christopher Mahlstedt (Psychologe und Musiker, Berlin)

    Titel: Improvisation – eine Annäherung über partizipative Übersetzungsversuche des Gespielten als das Nicht-Sagbare.

    Beschreibung: Ausgehend von einer kurzen Einführung in das Thema Improvisation werden die Teilnehmenden kurze Videoausschnitte von improvisierenden Jazzmusiker*innen analysieren. Hierbei wird in einem ersten Schritt die Wahrnehmung sowohl auf die Sequenzgestaltung als auch auf den Eindruck von der Szene und das Gegenübertragungserleben gelenkt. Auf Grundlage der gesammelten Informationen werden die Teilnehmenden dann in einem zweiten Schritt die musikalischen Dialoge frei assoziierend und ko-konstruierend in verbale Sequenzen übersetzen. Das sich entwickelnde Verstehen über improvisatorische und partizipatorische Prozesse wird somit durch den kreativen Umgang mit dem Unbewussten erweitert. Die erstellten Transkripte können nunmehr konversationsanalytisch untersucht und der gemeinsam „improvisierte“ Übersetzungsprozess abschließend miteinander reflektiert werden.

  4. Impro-Workshop 1 von André Wülfing (Theaterpädagoge und Erzählkünstler, Dortmund)
    Titel: Das „JA zur Idee“

    Beschreibung: Für das Theater wie für das Erfinden und Erzählen von Geschichten ist Improvisation ein essentieller Baustein. In kurzen, einführenden Übungen arbeiten wir in diesem Workshop an der Reaktion in der Kommunikation, am „Ja zur Idee“, dem Wechsel von Perspektiven bis hin zu kleinen Wundern erzählter Geschichten. So wollen wir für das therapeutische Gespräch Spontanität, Fantasie, Leichtigkeit und Spielfreude wecken. 

  5. Impro-Workshop 2 von Comedy Company um Lars Wätzold (Diplom-Pädagoge, Göttingen)
    Titel: Das Rollen-Training

    Beschreibung: Haltung und Rolle sind Erfolgsfaktoren zwischenmenschlicher Kommunikation – sei es im Alltag, im Arbeitsumfeld oder im therapeutischen Rahmen. In diesem Workshop werden wir uns spielerisch die unbewussten Mechanismen, die uns Haltung und Rollen einnehmen lassen, ins Bewusstsein heben, um mehr kommunikative Handlungsoptionen zu haben.

Am Tagungsort wird es einen Raum geben, in dem es zu jeder Zeit Getränke (warm und kalt) gibt, sowie ebenfalls im Tagungsbeitrag inkludiert: ein Mittagessen. Guten Appetit!

 

Titel: Partizipation und Improvisation – unterwegs zu anderen Momenten therapeutischer Praxis

Michael Buchholz radikalisiert die Perspektive auf Therapie als rekursiven, intersubjektiven Prozess, indem er zentrale psychologische Grundannahmen verschiebt:
• Mind ist kein Objekt, sondern ein „doing“
• Selbst entsteht nicht intern, sondern relational
• Intersubjektivität bleibt grundsätzlich unvollständig, weil Kommunikation Bilder beim Anderen generiert, die hinreichend äquivalent, aber nicht identisch sind.
Therapie wird als rekursiver Prozess gefasst:
• Beteiligte nehmen sich wechselseitig in den Blick
• Perspektiven werden komplex verschachtelt
• Veränderung entsteht als Modifikation dieser Relationen
Improvisation ist keine Technik, sondern Grundbedingung: Sie ermöglicht Be-Handeln. Gute Therapeuten kreieren – Einsicht der empirischen Forschung! – für jeden Patienten eine neue Behandlung.

Download Präsentation (kostenlos)

  • 18:00 Uhr: Abendessen – und dann:
  • 18:45 Uhr: „Partyzipation“/ Improtheater von der Comedy Company um Lars Wätzold
    Titel: Die Impro-Show – „Was ihr wollt“

    Beschreibung: Die Comedy-Company lässt in ihren Shows das Publikum bestimmen, was auf der Bühne stattfinden soll. Sie setzt die Vorschläge blitzschnell und wortgewandt in Szenen und Songs um. Jede ihrer legendären Impro-Shows ist einmalig, und das Publikum kommt vor Lachen kaum zum Luftholen.

  • Im Anschluss: improvisierte Gespräche

Das Abendprogramm ist nicht im Tagungsbeitrag enthalten und kann separat gebucht werden.

Sonntag, 14.03.27

Die Veranstaltung findet vor Ort an der IPU Berlin statt. Eine Anmeldung ist vor Beginn der Tagung möglich. Bitte buchen Sie Ihr Ticket im Voraus.

Der JUNKTIM-Vorstand wird den dritten Tag eröffnen.

Titel: Das ‚Ja, … und‘-Prinzip. Improvisation bei Rupturen in Dyadischer Interaktion

Stefan Pfänder erweitert die Analyse von Interaktion als verkörperte, dynamische Koordination.
Interaktion ist:
• verkörpert
• zeitlich koordiniert
• situativ emergent

Bedeutung entsteht nicht allein sprachlich, sondern im Zusammenspiel von:
• Prosodie
• Timing
• Bewegung
• räumlicher Orientierung

Zentrale Konzepte:
• Agency als relationales Phänomen (Handeln ist weder rein aktiv noch passiv)
• Partizipation als inkrementelles Phänomen (Beteiligung wird hergestellt, nicht vorausgesetzt)

Störungen („Rupturen“) sind konstitutiv: Sie erfordern Reparatur und machen die Koordinationsleistung sichtbar.

Improvisation erscheint hier als: praktische Fähigkeit zur Aufrechterhaltung von Koordination unter instabilen Bedingungen

Download Präsentation (kostenlos)

Literatur und weiterführend:
Die im Vortrag entwickelten Überlegungen sind ausführlich dargestellt in:
Pfänder, Stefan (2026): Improvisation im Gespräch. Kommunikative Herausforderungen multimodal meistern. Stuttgart: Kröner, erschienen am 20.03.2026.
https://kroener-verlag.de/books/improvisation-im-gespräch.html

Der JUNKTIM-Vorstand lädt zu einem gemeinsamen Rückblick ein und schließt die Tagung 2026.

Countdown abgelaufen!

Tagung

Bildungs-Ticket zur JUNKTIM26-Tagung

€30
  • Studierende
  • Auszubildende
  • Arbeitssuchende

Partner:in-Ticket zur JUNKTIM26-Tagung

€80
  • JUNKTIM-Mitglieder

Vollpreis-Ticket zur JUNKTIM26-Tagung

€180
  • Berufstätige Psycholog:innen und Forscher:innen

Jetzt beitreten und zum Mitgliedertarif buchen

€100
  • JUNKTIM lohnt sich
  • Mitgliedschaft + Tagung = Vollpreis-Ticket

Spar-Ticket

€180
  • Sparen Sie 20% gegenüber den Einzeltarifen! Für alle, die zu der aktuellen Tagung sparen wollen, indem zugleich ein ermäßigtes Ticket für die Jahrestagung erworben & eine JUNKTIM-Mitgliedschaft abgeschlossen werden.

Abendveranstaltung zur Tagung

Tagungsabend (ermäßigt)

€18
  • Studierende
  • Auszubildende
  • Arbeitssuchende

Tagungsabend (Vollpreis)

€42
  • Berufstätige Psycholog:innen und Forscher:innen

Die Jahrestagung wird als Vor-Ort-Veranstaltung an der IPU Berlin im Haus 91b, 2. OG stattfinden.

Adresse: Alt-Moabit 91b, 10557 Berlin

JUNKTIM ist ein An-Institut der Internationalen Psychoanalytischen Universität (IPU) Berlin, unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Michael B. Buchholz. 

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