Was ist JUNKTIM?

JUNKTIM ist ein gemeinnütziger Verein und wurde 2020 gegründet wurde. Motivation dafür war und ist die Erkenntnis, dass Psychotherapie von der Zusammenarbeit zwischen sprachwissenschaftlicher Forschung und klinisch arbeitenden KollegInnen verschiedener therapeutischer Orientierungen profitiert. Diese Zusammenarbeit soll dazu beitragen, ein verbessertes wissenschaftliches Verständnis therapeutischer Gespräche (Prozessforschung) zu entwickeln und praktische Hilfen für die Praxis dieser Gespräche bereitzustellen.

JUNKTIM e.V. wurde zum Wintersemester 2022/2023 zum ersten An-Institut der Internationalen Psychoanalytischen Universität (IPU) Berlin.

Zwischen der Ausübung therapeutischen Könnens und der Erweiterung sprachwissenschaftlicher Untersuchungen durch Kenntnis therapeutischer Konzepte entsteht ein Betätigungsfeld, zu dessen Gestaltung wir Sie hiermit herzlich einladen!

Jede Behandlung hat eine Wirkung

Psychotherapie: Beobachten. Verstehen. Handeln.

Das Problem

Psychotherapie findet im Gespräch statt.
Und doch wissen wir erstaunlich wenig darüber, wie dieses Gespräch tatsächlich funktioniert.

Theorien liefern Modelle.
Manuale liefern Techniken.

Aber sie beantworten nicht die zentrale Frage der Praxis:

Was geschieht genau in diesem Moment – und was mache ich jetzt?

Zwischen Theorie und Handlung klafft eine Lücke.
Diese Lücke ist kein Defizit. Sie ist der Ort der Therapie.

Unser Ansatz

JUNKTIM versteht Psychotherapie als interaktionales Geschehen, nicht als Anwendung von Technik.

Das Gespräch ist kein Transportmittel für Inhalte.
Es ist selbst der Gegenstand.

Wir fragen:

→ Wie wird Bedeutung im Gespräch hergestellt?
→ Wie entwickeln sich Sequenzen von Äußerungen?
→ Wo zeigen sich Affekt, Widerstand, Übertragung – im realen Verlauf?

Damit verschiebt sich die Perspektive:

Nicht was gesagt wird ist entscheidend, sondern wie, wann und in welchem Zusammenhang.

Konversationsanalyse als Methode

JUNKTIM arbeitet mit Verfahren der Konversationsanalyse und Interaktionsforschung.

Das bedeutet:

  • Analyse von Audio- und Videoaufnahmen realer Sitzungen
  • sequenzielle Rekonstruktion von Gesprächsverläufen
  • Verzicht auf spekulative Zuschreibungen innerer Zustände
  • Orientierung am beobachtbaren Material

Konversationsanalyse ist damit eine beobachtende Wissenschaft:

Sie zeigt, wie soziale Wirklichkeit im Moment entsteht – und wie therapeutische Wirkung interaktional hervorgebracht wird.

Das JUNKTIM-Selbstverständnis

JUNKTIM knüpft an Freuds Idee des „Junktim von Heilen und Forschen“ an – und führt sie weiter:

Praxis und Forschung werden nicht getrennt, sondern methodisch miteinander verschränkt.

Ziel ist die Ausbildung einer Fähigkeit, die in vielen Ausbildungen zu kurz kommt:

  • präzises Sehen
  • differenziertes Hören
  • situatives Verstehen

Denn:

Gespräche sind flüchtig, vielstimmig und hochdynamisch – und keine Theorie kann vorhersagen, was im nächsten Moment zu tun ist.

Wie wir arbeiten

1. Arbeit mit realen Daten
  • Video- und Audioaufnahmen
  • wiederholte Analyse
  • detaillierte Transkripte
2. Gruppenanalyse
  • mehrere Perspektiven auf dieselbe Situation
  • Irritation statt Bestätigung
  • Sichtbarmachung blinder Flecken

Andere hören und sehen anders und genau darin liegt das Lernpotenzial.

3. Sequenzielle Rekonstruktion
  • Was folgt worauf und mit welcher Wirkung?
  • Wo kippt eine Situation?
  • Wo entsteht etwas Neues?

Warum das wichtig ist

Psychotherapie wird zunehmend standardisiert.
Diagnosen, Leitlinien, Manuale dominieren.

Gleichzeitig bleibt unklar:

  • wie Veränderung konkret zustande kommt
  • wie therapeutische Entscheidungen situativ getroffen werden

JUNKTIM setzt hier an:

Therapie ist kein Schema, sondern ein Prozess, der sich im Gespräch entfaltet.

Konversationsanalyse macht diesen Prozess sichtbar, überprüfbar und lernbar.

Für wen?

Therapeut:innen
  • Verfeinerung der klinischen Wahrnehmung
  • präziseres Arbeiten im Moment
  • jenseits von Theorieanwendung
Forscher:innen
  • Zugang zu hochkomplexer Interaktion
  • empirische Untersuchung realer Praxis
  • Verbindung von Mikroanalyse und klinischer Relevanz
Ausbilder:innen & Supervisor:innen
  • Nutzung audiovisueller Daten
  • Analyse realer Situationen statt Fallnarrative

Was entsteht daraus?

  • eine neue Form klinischer Kompetenz
  • eine Brücke zwischen Praxis und Wissenschaft
  • eine empirisch fundierte Beschreibung von Therapie

Nicht als Theorie über Therapie, sondern als Analyse dessen, was tatsächlich geschieht.

Literatur

Grundlagen Konversationsanalyse
Konversationsanalyse in der Psychotherapie
Evidenzdebatte / Psychoanalyse

Zur Notwendigkeit eines JUNKTIM

Wollen Sie mehr wissen?

Ein Gespräch ist performativer Vollzug zwischen zwei Personen

Warum überhaupt mit Aufzeichnungen arbeiten?

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Warum ist ein institutionelles JUNKTIM nötig?

JUNKTIM- Gründer:innen

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wir freuen uns auf den Austausch 

Michael M. Franzen

Psychologe und Sprachwissenschaftler

1. Vorsitzender

Prof. i.R. Dr. Jörg R. Bergmann

Psychologe, Soziologe, Philosoph und Sprachwissenschafter

Prof. Dr. Eva-Maria Graf

Sprachwissenschaftlerin

Dr. habil. Werner Köpp

Psychologischer Psychotherapeut, Psychoanalytiker

Prof. Dr. Thomas Spranz-Fogasy

Sprachwissenschaftler

Dr. Florian Dreyer

Sprachwissenschaftler und Psychotherapeut in Ausbildung

2. Vorsitzender

Prof. Dr. Michael B. Buchholz

Psychologischer Psychotherapeut, Psychoanalytiker, Sozialwissenschaftler

Prof. Dr. Carl Eduard Scheidt

Mediziner, Philosoph, Psychoanalytiker

Dipl. Päd. Barbara Wülfing

Analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin

Dr. Marie-Luise Alder

Psychologin und Psychotherapeutin in Ausbildung

Kassenwartin

Prof. Dr. Johannes Ehrenthal

Psychologischer Psychotherapeut

Christoph Schmidt

Psychologe, Philosoph

Prof. Dr. Claudio Scarvaglieri

Sprachwissenschaftler

Möchten Sie JUNKTIM als gemeinnützigen Verein unterstützen? Wir freuen uns über Spenden, um unsere ehrenamtliche Arbeit an der Schnittstelle von psychotherapeutischer Praxis und Forschung auszubauen.